Dr.Gaensler

Kurz und Prägnant:

Bei Zähnen mit eingesetzten Stiften, die unterhalb dieser eine Entzündung am Röntgenbild zeigen, versucht man i.d.R. den Stift zu entfernen, und von der Zahnkrone her, durch den Wurzelkanal hindurch, an die Entzündung heran zu kommen. Aufgrund der vielen verschiedenen Stifte (Metall, Fiberglass, Zirkonoxid) und der Art der Befestigung, kann das Entfernen des Stiftes eine schwierige bis manchmal unlösbare Aufgabe sein. Auch zeigt sich erst nach dem Entfernen des Stiftes, ob bei dessen Einbringen noch weitere Probleme in der Wurzel ausgelöst wurden (z.B. Perforation der Wurzel).

Ausführlicher:

Der Wunsch unserer Patienten nach Zahnerhaltung, sowie die Verbesserung der endodontischen Techniken, hat in den zurück liegenden Jahren dazu geführt, daß Revisionsbehandlungen von mit Stiften versehenen Zähnen an der Tagesordnung sein können.

Es gibt eine Vielzahl von in endodontisch behandelten Zähnen eingebrachten Stiften: geschraubte, zementierte, adhäsiv geklebte Stifte. Die Materialien gehen von Edelstahl über Fiberglass bis zu Zirkonoxidstiften.

Allen gesetzten Stiften gemeinsam ist, daß wenn unterhalb des Stiftes das Kanalsystem nicht akurat gereinigt, desinfiziert und dreidimensional, dicht gefüllt ist, eine Entzündung entstehen kann.

Will man nicht als primäre Option den so beherdeten Stiftzahn mittels einer Wurzelspitzenresektion angehen, empfiehlt sich die orthograde Revision.

Bei der Entfernugn von metallischen Stift, egal ob geklebt oder geschraubt-zementiert, ist wieder der Einsatz von speziellen Ultraschalltips ein absolutes Muss, unter der vergrößernden Sicht des Dentalmikroskopes.

Vor Behandlungsbeginn sollte mit dem Patienten offen und ehrlich über die geplante Revisionsbehandlung gesprochen werden. Hierzu gehört neben der Schilderung der technischen Abläufe, auch unbedingt die transparente Darstellung der Risiken und Prognose der Revisionsbehandlung für den speziellen Zahn. Revisionsbehandlungen von Stiftzähnen sind auch - aus Sicht des endodontischen Behandlers - mit einem hohen Materialverbrauch an Einmalfeilen und -Ultraschalltips verbunden. Die Verbrauchskosten für solche Revisionen liegen oftmals bei mehreren hundert Euro in der ersten Behandlungssitzung.

Die Stiftentfernung birgt Gefahren für die Restsubstanz des Zahnes, da ja stets am Stift entlang die kraftschlüssige Verbindung mit dem Zahn unterbrochen werden muss. Das kann im coronal gut zugänglichen Teil, um den Stiftkopf herum, mit rotierenden, diamantierten Instrumenten geschehen.

Unverzichtbar ist hier nach meiner fachlichen Ansicht, der Einsatz des Dentalmikroskopes, und seiner perfekten Ausleuchtung der Kavität. Nur so können grobe Fehler, wie unnötiger Substanzabtrag gesunder Zahnsubstanz oder gar Perforationen im Pulpenkammerbodenbereich, vermieden werden.

Ist der Stiftkopf freigelegt, kann mittels feiner Ultarschalltips an die Lösung der Zementstruktur um den Stift herum gegangen werden. Auch hier ist mit größter Vorsicht und unter vergrößernder Sicht, zu arbeiten.

Nach Lösen der Zementfuge, kann wiederum mittels passender Schalltips, am Stiftkopf gezielt eine Schwingung erzeugt werden, die helfen soll, die restliche Zementstruktur in den tieferen Abschnitten zu lösen und so den Stift zu lockern.

Der zeitliche Rahmen für das Freilegen, Lockern und Herausbefördern eiens Stiftes, kann sehr unterschiedlich sein. Es gab schon Stifte, die binnen weniger Minuten gelöst waren und bei anderen satt sitzenden, tief eingebrachten Stiften gingen gut 45 Minuten in´s Land.

Nach Entfernung des Stiftes, kann dann an die kritische Überprüfung der tiefer gelegenen Kanalbereiche gegangen werden. Hat es eventuelle durch den alio loco gesetzten Stift eine Perforation, die im Röntgenbild nicht dargestellt wurde.

Wie infiziert ist der Bereich unterhalb des Stiftkanales ? Kann man den weiteren Kanaleingang nach apikal sehen ? Welche Materialien befinden sich in dem Kanallumen ? Sind diese ebenfalls entfernbar ?

Revisionsbehandlungen von Stiftzähnen sind die Formel 1 der Endodontie.

Eine noch größere Herausforderung stellen adhäsiv geklebte Stifte aus Fiberglas oder Keramik dar. Je nach Einbringtiefe und Materialqualität, können solche Stifte von orthograd - aufgrund des extrem hohen Risikos für den Wurzelzahn - nicht mehr entfernt werden, und die Herangehensweise von apikal kann angezeigt sein, wenn man eine um die Wurzelspitze herum liegende Entzündung beseitigen will.

Häufig sind Zähne mit Stiften überkronte Zähne, und die Diagnostik der coronalen Restsubstanz, ist druch die metalldichte Abschottung des Aufbaus im Röntgenbild nicht zu erfassen. Es kann oftmals auch erst nach Entfernung der klinischen Krone, und der optischen Verifizierung der Restsubstanz, eine Entscheidung über die Prognose des Zahnes getroffen werden. Liegt der sog. "Ferrule", sprich die Restsubstanz supragingival nicht bei midnestens 3 mm (ich meien aus langjährger klinischer Erafhrung 3 - 5 mm solltene s ein), ist die langfristige Prognose des Zahnes eher kritisch zu betrachten.

Ob allerdings vor dem Hintergrund einer nicht wirklich erfolgsversprechenden Prognose, eine aufwendige und kostenintensive Revisionsbehandlung eines Stiftzahnes gemacht werden sollte, gehört unbedingt mit dem Patienten deutlich gesprochen.