Dr.Gaensler

Kurz und Prägnant:

bei Wurzelwiederholungsbehandlungen, muss zum Erreichen einer Infektion in den Wurzelkanälen, oder in den die Wurzelspitzenen umgebenden Arealen, die alte, meist mangelhafte Wurzelfüllung entfernt, udn der Zahn innen sauber gemacht und desinfiziert werden. Das kann sich über 2 - 3 zeitlich ausführliche Behandlungstermine erstrecken. Das Ziel einer Revisionsbehandlung, ist es immer, alle aufgefundenen und desinfizierten Wurzelkanäle, dirch bis an die Wurzelspitze dauerhaft abgefüllt zu haben und das bei gleichzeitig ausgeheilter Entzündung.

Ausführlicher:

Im Gegensatz zur Erstwurzelbehandlung eines Zahnes (d.h. der Zahn hatte noch keine Wurzelbehandlung), liegen die Verhältnisse bei bereits wurzelbehandelten Zähnen gänzlich anders.

Wurzelwiederholungsbehandlungen (= Revisionsbehandlung) können sowohl von der Zahnkrone von oben, als auch von der Wurzelspitze unten notwendig werden.

Nach den derzeitigen Konsensusrichtlinien der europäischen Gesellschaft für Endodontie, steht stets eine nochmalige Herangehensweise von der Zahnkrone oben im Vordergrund der Revision.

Revisionsbehandlungen können notwendig werden, wenn der früher schon wurzelbehandelte Zahn eine Entzündung, z.B. in dem die Wurzelspitze umgebenden Knochen, aufweist.

Der Grund für solche Entzündungen liegt häufig darin, daß die anderen Ortes durchgeführte Erstbehandlung relativ großzügig in kurzer Zeit ausgeführt wurde, und der Behandler nicht lange versucht hat, alle Wurzelkanäle aufzusuchen und bis an die Wurzelspitze nach unten zu versäubern.

Ein Großteil der sog. „ausreichenden Wurzelbehandlungen“ in Deutschland, haben von oben gesehen, nur eine (Teil-) Wurzelfüllung bis in die Hälfte oder 1/3 der Kanäle. Ein Großteil der tiefer gelegenen Kanalabschnitte ist nicht gesäubert, desinfiziert und dicht gefüllt.

Aus wissenschaftlichen Studien weiß man aber, daß 90 % aller mikroskopischen Seitenkanälchen auf den letzten 3 mm vor der Wurzelspitze liegen. Da die Bakterien kleiner sind als die kleinsten Seitenkanälchen, bedeutet eine Nichtbearbeitung der unteren Hälfte des Wurzelkanales, immer auch ein Überleben von Millionen Bakterien und deren Vermehrung in den nicht gereinigten und nicht desinfizierten Abschnitten.

Mit der Zeit, die sehr patientenindividuelle unterschiedlich sein kann, kommt es dann zu einer Vermehrung der Bakterien in den unteren Wurzelkanalabschnitten, und wenn diese genügend Giftstoffe (= Toxine) ausgesondert haben, auch zu entzündlichen Auswirkungen auf die knöcherne Region um die Wurzelspitze.

Für den Zahnarzt sichtbar, neben spät auftretenden Beschwerden des Patienten, ist eine solche Entzündung häufig am Röntgenbild, auf dem um die Wurzeslpitze des ungenügend behandelten Zahnes herum, ein dunklerer Fleck - als Zeichen eines sich bildenden knöchernen Hohlraumes - entstanden ist.

Solche eine „apikale Entzündung“ ist dauerhaft nicht tolerierter, da es irgendwann, wenn das Immunsystem des Patienten durch andere allgemeinmedizinische Einflüsse geschwächt wird, nicht mehr in der Lage ist, diese chronische Entzündung an der Wurzelspitze, in Zaum zu halten.

Es sind in der Literatur und auch aus der klinischen Erfahrung vieler Jahre, genügend Fälle beschrieben, bei denen solche Entzündungen Fernwirkungen über die Blutbahn, auf andere Organe (u.a. Herz) gemacht haben.

Ein mangelhaft wurzelbehandelter Zahn, mit einer Entzündung an und um die Wurzelspitze, sollte zunächst einer Wurzelwiederholungsbehandlung von oben unterzogen werden.

Es empfiehlt sich, für solche Revisionsbehandlungen, die technisch und anatomisch oftmals eine Herausforderung darstellen, einen darauf spezialisierten Behandler - den sog. Endodonten oder Fachzahnarzt für Endodontie - aufzusuchen.

Bei der Wurzelwiederholunsgbehandlung gilt es, schon eingebrachte Füllmaterialien, geschraubte oder geklebte Stifte, Metallaufbauten, harte Zemente etc. zu entfernen, von deren Halt oder Widerstandsfähigkeit gegenüber der Entfernung, man als Behandler vorher keinen Anhaltspunkt hat.

Diese genannten „Füllmaterialien“ in den Kanälen, müssen aber vollständig entfernt werden, daß die darunter liegenden Kanalabschnitte gesäubert und desinfiziert werden können.

Gerade in der technischen Maximalausstattung und Erfahrung für solche Revisionsbehandlungen, unterscheiden sich die endodontischen Spezialisten, von dem generalistisch tätigen Hauszahnarzt.

Als unabdingbare Hilfe bei qualitativen Wurzelkanalbehandlungen, egal ob es sich um eine Erstbehandlung oder eine schwierige Revisionsbehandlung handelt, hat sich das Dentalmikroskop seit den 90 er Jahren auch in Deutschland etabliert.

Bei der endodontischen Revisionsbehandlung, wird unter vergrößernder Sicht des Dentalmikroskopes, von der klinischen Krone daran gegangen, die eingebrachten Füllmaterial zu entfernen und den Zugang zu den Kanälen weiter unten darzustellen.

Hierbei kommen u.a. spezielle Ultraschall- und maschinelle Feilensysteme zur Anwendung.

Auch bei der Revisionsbehandlung ist das Ziel, in allen auffindbaren Kanälen eine Gängigkeit bis an die Wurzelspitze, eine reichliche und gründliche Desinfektion und eine Ausheilung des die Wurzelspitze umgebenden Entzündungsprozesses zu erreichen.

Üblicherweise findet ein Wurzelwiederholungsbehandlung eines infizierten Zahnes, in 2 - manchmal 3 - getrennten Terminen statt.

Im 1. Termin wird die bakterielle Infektion (Karies) aus dem Zahnentfernt. Im Anschluss an das Versäubern des Zahnes im oberen Teil, wird dann an die Entfernung anderen Ortes eingebrachter Stifte und/oder Füllmaterialien gegangen, um dann an den weiter unten liegenden Abschnitt des Wurzelkanales heran zu kommen  und dann reichlich das/die Kanalsysteme zu desinfizieren.

Die 1.Sitzung endet mit einem dicht verschlossenen Zahn, in dessen gesäuberten Kanälen sich eine bakterienabtötende Salbe befindet.

Im 2. Termin werden nochmals die Wurzelkanäle gründlich gereinigt, und bei unauffälligem Verhalten des Zahnes, die gesäuberten und desinfizierten Wurzelkanäle mit einer dichten Wurzelfüllung bis an die Wurzelspitze abgefüllt.

Bei sehr stark entzündeten Abschnitten um die Wurzelspitze herum, braucht es manchmal eine zusätzliche, eingeschobene Sitzung, in der der Zahn nochmals gründlich desinfiziert wird, um dann völlig ausheilen zu können.