Dr.Gaensler

Nach den Richtlinien der europäischen Gesellschaft für Endodontie, ist zunächst immer der Revision eines Zahnes von der Krone her, Vorzug zu geben.

Nur in denjenigen Fällen, in denen es nicht mehr möglich ist, eingebrachte Füllmaterialien (z.B. geklebte Keramikstifte), aus der Zahnkrone zu entfernen, und die einzige Chance an die Entzündung um die Wurzelspitze heran zu kommen, von unten - seitlich besteht, ist die chirurgische Wurzelbehandlung (= Wurzelspitzenresektion = WSR) eine mögliche Option.

Es gilt stets, in einer offenen und seriösen Beratung durch den Zahnarzt mit dem Patienten, die Möglichkeiten einer chirurgischen Wurzelspitzenresektion kritisch zu erörtern. Wurzelspitzenresektionen stellen komplexe chirurgische Eingriffe dar, die in der Nähe sensibler Begleitstrukturen (Kieferhöhle Oberkiefer, Hauptnerv Unterkiefer) stattfinden.

Auch sollte eine chirurgische Abtrennung des untersten Teiles des Zahnes, sprich der Wurzelspitze, nur dann erfolgen, wenn es eine Aussicht hat, daß danach in der zurück gebliebenen Wurzel auch dichte Wurzelfüllungen in der unteren Region sind, und nicht belassene Hohlräume wieder binnen Monaten bakteriell besiedelt und dann wieder zu einem Entzündungsproblem werden.

Die wissenschaftlichen Fakten sind seit den 90 er Jahren so, daß eine konventionelle, „ausreichende“ Wurzelspitzenresektion, wie sie in der BRD häufig praktiziert wird, nur eine Erfolgsprognose von 50 % hat.

Häufigste Ursache für das Scheitern der konventionellen WSR, ist die mangelns fehlender optischer Möglichkeiten nicht exakt stattfindende Prüfung der abgeschnittenen Wurzelfläche, auf belassene Hohlräume.

Es macht aus meiner fachlichen Erfahrung keinen Sinne, infizierte und ungenügend desinfizierte und nicht dicht gefüllte Wurzelkanäle chirurgisch zu kappen, da die „Kloake Zahn“ weiterhin entzündet sein wird.

Die wissenschaftlichen Zahlen belegen, daß die mittels des Dentalmikroskopes ausgeführte mikrochirugische WSR, bei Verwendung entsprechender Spezialinstrumente und Füllmaterialien von unten - sprich der Wurzelspitze her - eine Erfolgsprognose um die 90 % hat.

Es gehört zu der Auffklärungspflicht des Behandlers, mit dem Patienten über Chancen, Prognose, Imitationen und mögliche Schwierigkeiten bei der chirurgischen Wurzelspitzenresektion vor Behandlungsbeginn, gesprochen zu haben.

Der mündige, aufgeklärte Patient sollte ohne Druck eine Entscheidung treffen können, wenn er auch Kenntnis um die Alternativen der chirurgischen WSR bekommen hat.